Familienministerin Katharina Binz: Auch während der Zeit der Kita- und Schulschließungen hat das System der Kinderschutzmeldungen funktioniert

„Kinderschutz hat für uns seit jeher immer den höchsten Stellenwert, das galt natürlich auch und gerade für die Zeit der Corona-Pandemie, in der Schulen, Kindertagesstätten und Freizeitangebote überwiegend geschlossen hatten. Auch während der Zeit der Kita- und Schulschließungen hat das System der Kinderschutzmeldungen funktioniert. Dies zeigen die Ergebnisse einer Zusatzerhebung zu den Kinderschutzverdachtsmeldungen, die bei den Jugendämtern im Jahr 2020 eingingen“, berichtete Familienministerin Katharina Binz.

Die Zusatzerhebung – an der sich 40 der 41 Jugendämter in Rheinland-Pfalz beteiligt haben – wurde vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH durchgeführt und in einem Kurzbericht zusammengefasst. Diese Statistik ist eine rheinland-pfälzische Besonderheit: Für kein anderes Bundesland liegen derart umfassende Ergebnisse über die Kinderschutzverdachtsmeldungen in Zeiten der Corona-Pandemie für das gesamte Jahr 2020 vor. 

Die Anzahl der Kinderschutzverdachtsmeldungen nimmt seit 2010 kontinuierlich zu, ca. ein Prozent der Kinder und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz werden jährlich zu einem Kinderschutzverdachtsfall. Das Corona-Jahr 2020 stellt bei diesem ansteigenden Trend keine Ausnahme dar: Von 2019 auf 2020 zeigt sich ein Fallzahlanstieg von 5,6%. 2020 wurden insgesamt 8.725 Kindeswohlverdachtsmeldungen an die rheinland-pfälzischen Jugendämter gemeldet, im Jahr 2019 waren es 8.264 Fälle. Das Familienministerium führt dies insbesondere auf eine wachsende Sensibilität in der Gesellschaft und in den Institutionen sowie auf eine steigende Bereitschaft von Eltern, Erziehungsprobleme selbst anzuzeigen, zurück.  

Eine große Sorge – sowohl in der Fachwelt als auch in der gesamten Gesellschaft – war, ob Kinder in Pandemiezeiten aus dem Blick geraten, weil Schulen und Kindertagesstätten geschlossen waren. Hier zeigen die Ergebnisse, dass durch die Schließungen zurückgehende Meldungen aus Kindertagesstätten und Schulen durch andere Meldergruppen, wie Nachbarn, Verwandte, Bekannte oder auch die Polizei aufgefangen wurden. „Das deutet darauf hin, dass unsere lokalen Kinderschutznetzwerke, die es in Rheinland-Pfalz schon seit der Verabschiedung des Landeskinderschutzgesetzes 2008 gibt, funktionieren. Kindeswohlgefährdungen – wie Verwahrlosung, psychische oder körperliche Misshandlungen – sind auch in der Lockdown-Phase erkannt worden“, betonte Familienministerin Binz. 

Wie auch in den Jahren zuvor wurde in 2020 bei etwa einem Drittel der gemeldeten Verdachtsfälle eine Kindeswohlgefährdung oder eine latente Kindeswohlgefährdung eingeschätzt. Bei ebenfalls einem Drittel bestand keine Kindeswohlgefährdung, aber dennoch ein Hilfebedarf der Familie und in einem weiteren Drittel gibt es weder eine Kindeswohlgefährdung, noch einen Hilfebedarf. 

Die gemeldeten Kinderschutzverdachtsfälle in 2020 zeigten in den Kategorien körperliche, seelische, sexuelle Gewalt sowie Vernachlässigung annähernd gleiche Zahlen wie in 2019. Die größte Gruppe ist – wie in den Vorjahren – mit 60%, die der Kinder, die von Vernachlässigung betroffen sind. Auch der Anteil von Kindern, die von sexueller Gewalt betroffen sind, ist mit 5% nahezu unverändert. 

Eine weitere wichtige Erkenntnis der Erhebung ist, dass es bei der Arbeitsweise der Jugendämter, keine Verzögerungen gegeben hat. „Die Jugendämter in den Kommunen haben umgehend auf eingehende Verdachtsmeldungen reagiert, angekündigte und unangekündigte Hausbesuche durchgeführt und betroffene Familien zum Gespräch eingeladen. Sie waren gut gerüstet, um hilfebedürftige Familien auch während der Kontaktbeschränkungen gut unterstützen zu können“, betonte Burkhard Müller, Geschäftsführender Direktor des Landkreistages Rheinland-Pfalz. 

Hintergrundinformation: 
Die Erhebung, Auswertung und Dokumentation der Kinderschutzverdachtsmeldungen erfolgt im Rahmen des Projektes „Qualitätsentwicklung durch Berichtswesen“, welches gemeinsam vom Land und den Jugendämtern finanziert wird. 

Der Kurzbericht zu den rheinland-pfälzischen Zahlen der Kinderschutzverdachtsfälle in Corona-Zeiten ist auf der Homepage des Familienministeriums unter https://mffki.rlp.de/fileadmin/MFFJIV/Publikationen/Familie/FACT_SHEET_8a_Zusatzerhebung_2020.pdf sowie unter https://www.berichtswesen-rlp.de/themen/8a-sgb-viii/zusatzerhebung.html veröffentlicht.