Kinder sind von Gewalt immer mitbetroffen

Anlässlich des Internationalen Aktionstags gegen Gewalt an Frauen und Mädchen erklärte Frauenministerin Katharina Binz: „Allein im vergangenen Jahr wurden rund 8.700 Fälle von Gewalt in engen sozialen Beziehungen in Rheinland-Pfalz angezeigt. Das Dunkelfeld der Fälle, die nicht angezeigt werden, ist erfahrungsgemäß noch weit größer. So gehen Studien davon aus, dass jede vierte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt durch ihren Partner wird.“

Frauenministerin Binz betonte: „In der Regel sind auch die mit im Haushalt lebenden Kinder und Jugendlichen von der Gewalt direkt oder indirekt mitbetroffen. Sowohl das direkte Erleben von Gewalt als auch das Miterleben von Gewalt in der Elternbeziehung sind für die betroffenen Kinder und Jugendlichen äußerst belastend, schädigend und häufig auch nachhaltig traumatisierend.“

Kinder und Jugendliche, die Gewalt miterlebt oder erfahren haben sind in ihrer weiteren Entwicklung gefährdet. Studien belegen darüber hinaus, dass die Betroffenen oft später selber wieder zu Opfern oder gar Täterinnen und Tätern werden.

„Deshalb ist es mir wichtig, dass diese Kinder und Jugendlichen nicht alleine gelassen werden. Mit dem Projekt der Kinderinterventionsstelle in Koblenz wollen wir eine Lücke in der ganzheitlichen Beratung und Unterstützung der Familien schließen“, erläuterte Binz. „Wenn sich gewaltbetroffene Frauen nach einem Polizeieinsatz in der Interventionsstelle gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen (IST) Koblenz beraten lassen, können ihre Kinder dort parallel ein speziell auf sie zugeschnittenes Unterstützungsangebot erhalten. Das ist wichtig, damit die Kinder Strategien entwickeln, wie sie sich in der akuten Gewaltsituation gegen die Mutter verhalten können." 

Die Kinderinterventionsstelle ist zunächst 2018 vom Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SkF) in Koblenz mit Mitteln des dortigen Fördervereins Haus des Jugendrechts Koblenz e.V. gestartet worden. Da das Konzept von Anfang an sehr erfolgreich gewesen ist, wird es seit diesem Jahr durch die Förderung des Frauenministeriums in Höhe von 60.000 Euro jährlich auch für die Zukunft finanziell abgesichert. 

„Alleine im Jahr 2020 wurden 90 Kinder und Jugendliche, die mittelbar oder unmittelbar häusliche Gewalt miterleben mussten, durch das Projekt betreut und kompetent unterstützt“, erklärte Ministerin Binz. „Die hohe Inanspruchnahme zeigt, wie wichtig das Angebot ist. Mein Ziel ist es deshalb, dieses Angebot für gewaltbetroffene Kinder und Jugendliche sukzessive auszuweiten.“