Verbraucherschutzministerin Katharina Binz: „Nachhaltige Mode muss Standard werden“

Unter dem Motto „Noch tragbar? Fast Fashion vs. Nachhaltigkeit“ diskutierten am Donnerstag Expertinnen und Experten im Rahmen der Reihe „Verbraucherschutz am Mittag“ des Verbraucherschutzministeriums darüber, wie nachhaltiger Konsum von Mode und Textilien für Verbraucherinnen und Verbraucher gestärkt werden kann.

„Mode und Textilien sind ein fester Bestandteil Teil unserer Kultur, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und für viele Menschen Ausdruck von Lebensfreude und Individualität“, erklärte Verbraucherschutzministerin Katharina Binz. „Jedoch: Trends und der Preis bestimmen bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern den Kleiderschrank und den Umgang mit Kleidung.“

Die Mainzer Modedesignerin Anja Gockel setzt in ihrer Produktion auf Nachhaltigkeit und mahnt einen Bewusstseinswandel zum Wert von Textilien an. "Die "Geiz-ist-geil"-Mentalität führt dazu, dass immer billiger produziert wird. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen viel mehr darüber informiert werden", sagte Anja Gockel. "Hier wünsche ich mir ein Umdenken und mehr Information. Bei einem T-Shirt für 5 Euro bleiben nur Cent-Beträge für die Menschen, die es nähen - eine Ausbeutung ist vorprogrammiert."

Die Geschäftsführerin des Avocadostores, Mimi Sewalski, berichtete über die in den letzten Jahren rasant gestiegene Nachfrage nach fair produzierten Produkten: „Der Schlüssel liegt in der Transparenz – unseren Kundinnen und Kunden sind eine umweltschonende Produktion und soziale Standards sehr wichtig.“

Orientierung im Bereich nachhaltiger Mode und Textilien soll das 2019 eingeführte staatliche Textilsiegel „Grüner Knopf“ bieten. „Bei Verbraucherinnen und Verbrauchern herrscht oft eine große Unsicherheit, was nachhaltige Kleidung ist“, so Sebastian Herold, stellvertretender Referatsleiter Nachhaltige Textillieferketten und nachhaltiger Konsum beim Entwicklungsministerium (BMZ). „Wer nachhaltige sozial und ökologisch hergestellte Kleidung kaufen möchte, achtet auf den Grünen Knopf. Direkt am Produkt angebracht, ist er beim Einkauf leicht zu finden - verlässlich und verbraucherfreundlich. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz schafft außerdem bald Klarheit in allen Branchen.“

Klare, verlässliche Verbraucherinformationen sind auch für Kathrin Krause, Referentin für nachhaltigen Konsum beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) unverzichtbar: "Damit nachhaltiger Konsum im Bereich Mode und Textilien für Verbraucherinnen und Verbraucher einfacher wird, müssen auch die produzierenden Unternehmen in die Pflicht genommen werden und ihrer Verantwortung in der Produktion und Lieferkette nachkommen. Nachhaltiger Konsum ist nur möglich, wenn nachhaltig produziert wird."

„Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass der Handel seiner sozialen, ökologischen und ökonomischen Verantwortung gerecht wird“, erklärte Verbraucherschutzministerin Katharina Binz. „Dafür muss ein fester Rahmen geschaffen werden, damit Kleidung und Textilien insgesamt nachhaltig produziert werden, dann wird es auch einfacher nachhaltig zu konsumieren. Nachhaltiger Konsum bedeutet für mich aber auch, in den nächsten Jahren die Themen Second Hand, Reparierbarkeit und Upcycling weiter voranzutreiben.“

 

Hintergrund:

Das Projekt „Rheinland-Pfalz trägt fair!“

Wer sich mit seinem Verein, als Initiative oder Multiplikator weiter mit dem Thema beschäftigen möchte: Bis Ende des Jahres unterstützt das Verbraucherschutzministerium im Rahmen des Projekts „Rheinland-Pfalz trägt fair“ Informationsveranstaltungen und Aktionen rund um das Thema nachhaltige Bekleidung und Textilien. Interessierte können hierbei Angebote des Kooperationspartners FEMNET e.V. nutzen. https://femnet.de/

 

Informationen:

Der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zufolge gibt jeder Bundesbürger pro Jahr 16 Kleidungsstücke in die Straßensammlung oder in den Altkleidercontainer – das entspricht einem Kleiderberg von rund 1,1 Millionen Tonnen Textilien pro Jahr.

Greenpeace: Im Durchschnitt besitzt jede erwachsene Person (18 – 69 Jahre) in Deutschland 95 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche und Socken). Das sind etwa 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in Deutschland. Der Großteil der Kleidung besteht aus kurz- sowie langärmligen Oberteilen. Jedes fünfte Kleidungsstück (19 Prozent) wird so gut wie nie getragen. Das summiert sich auf 1 Milliarde Kleidungsstücke, die ungenutzt im Schrank liegen.

https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/haushalt-wohnen/bekleidung#hintergrund