Der dreigeschossige Vierflügelbau mit Laubengängen, Arkadenhof und Renaissance-Treppenturm wurde im 19. Jahrhundert von Anne Franks Urgroßvater Zacharias Frank als Wohnhaus erworben. Bis 1951 blieb das Haus im Besitz der Familie Frank-Loeb, nach der es heute benannt ist.
„Das Frank-Loebsche Haus ist schon allein durch seine eigene Geschichte ein kulturhistorisches Juwel in Landau. Es ist kein Museum im klassischen Sinn, sondern ein offenes Haus, das Ausstellung, Forschung und öffentliche Debatte miteinander verbindet. Hier wird nicht nur vermittelt, was war, sondern an diesem wichtigen Erinnerungsort stellt sich auch die Frage, was daraus folgt“, betonte Kulturstaatssekretär Jürgen Hardeck.
Das Gebäude wurde in den 1980er Jahren durch den zu diesem Zweck gegründeten Verein der Freunde des Frank-Loebschen Hauses restauriert. Die heutige Ausstellung im Obergeschoss des Hauses erinnert mit schriftlichen Quellen und Fotos an die Geschichte der Landauer Jüdinnen und Juden und das Schicksal der jüdischen Gemeinschaft, die seit dem 13. Jahrhundert in der Stadt lebte. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden im Frank-Loebschen Haus die noch in Landau lebenden jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ab 1939 interniert, bevor sie im Oktober 1940 ins südfranzösische Lager Gurs und von dort 1942 nach Auschwitz und Theresienstadt deportiert wurden. Eine weitere Ausstellung informiert über die Verfolgung der Sinti und Roma in der NS-Zeit und stellt die Frage nach Kontinuitäten von Diskriminierung bis in die Gegenwart. Neben den Dauerausstellungen werden in den Räumen des Hauses Lesungen, Konzerte und wechselnde Ausstellungen zu den Themen Kunst und Kulturgeschichte veranstaltet.
Mit dem Frank-Loeb-Institut und dem Institut für Politikwissenschaft der Universität Koblenz-Landau sowie der Friedensakademie Rheinland-Pfalz sind zugleich Institutionen im Gebäude verankert, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen befassen – von Demokratie über Krisenprävention bis hin zu gesellschaftlichem Zusammenhalt. So wird das historische Gebäude zu einem Denkraum, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander ins Gespräch bringt.
Mit der Auszeichnung „Museum des Monats“ würdigt das Land Rheinland-Pfalz Museen, die sich in besonderer Weise durch Qualität, Innovationskraft und gesellschaftliche Relevanz auszeichnen.
Weitere Informationen zum Frank-Loebschen Haus
Museumsportal Rheinland-Pfalz: Museum des Monats | April 2026
https://www.museumsportal-rlp.de/frank-loebsches-haus-landau-museum-des-monats-april-2026
Hintergrund:
Die Auszeichnung „Museum des Monats“ hat zum Ziel, die Museumsarbeit vor allem kleiner und mittelgroßer Museen landesweit in den Fokus zu rücken. Ausgezeichnet werden Museen, die sich mit gelungenen Ausstellungsprojekten zur Orts-, Regional- oder Landesgeschichte, mit innovativen Vermittlungsideen, interessanten digitalen Angeboten, erfolgreichen Partizipationsprojekten, gelungenen Maßnahmen zur Umsetzung der Barrierefreiheit, außergewöhnlichem gesellschaftlichem Engagement, beispielhaften Projekten zum Sammlungserhalt oder zur Sammlungserschließung oder bemerkenswerten Projekten generationenübergreifenden bürgerschaftlichen Engagements hervortun. Unterstützt wird das Kulturministerium bei der Auswahl der auszeichnungswürdigen Museen vom Museumsverband Rheinland-Pfalz.
Auf der Webseite des Museumsverbands Rheinland-Pfalz finden Sie einen Rückblick auf die bisher ausgezeichneten Museen: https://www.museumsverband-rlp.de/themen/museum-des-monats