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Else-Lasker-Schüler-Dramatikpreis 2026 geht an Maria Milisavljević

Die 1982 in Arnsberg geborene Autorin Maria Milisavljević erhält den Else-LaskerSchüler-Dramatikpreis 2026. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird vom Pfalztheater Kaiserslautern im Auftrag des Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz sowie der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur verliehen. Neben dem Dramatikpreis werden drei Stückepreise vergeben. Die Juryentscheidung trafen Esther Boldt, Meike Klingenberg, Franziska Schößler, Ulrich Khuon, Markus Dietze und Daniel Böhm (Vorsitz).

Kulturministerin Katharina Binz gratuliert den Preisträgerinnen und Preisträgern und dankt der Jury: „Der Else Lasker-Schüler-Dramatikpreis und die Stückepreise zeigen, wie vielfältig die deutschsprachige Gegenwartsdramatik sowohl mit Blick auf Inhalte als auch ästhetische Ausdrucksweisen ist. Nicht von ungefähr findet deshalb die Auszeichnung hohe Anerkennung in der Fachwelt." 

In ihren Stücken untersucht Maria Milisavljević mit großer sprachlicher Präzision die Erfahrungen von Gewalt, Missachtung und Unterdrückung, insbesondere aus weiblicher Perspektive. Ihre Texte verbinden poetische Verdichtung mit genauer Alltagsbeobachtung. Milisavljević weicht der Wirklichkeit nicht aus, sondern vertieft sie, legt in konkreten Situationen archaische Muster frei und entwirft zugleich Gegenbilder von Empathie, Solidarität und Gemeinsinn. Exemplarisch dafür stehen Stücke wie „Brandung“, in dem eine Gruppe das Verschwinden einer jungen Frau nicht hinnehmen will, „Beben“, das dem Terror das radikale Prinzip der Liebe entgegensetzt, sowie „Staubfrau“, in dem drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen das Schweigen über erfahrene Gewalt brechen. Ihre Arbeiten spiegeln Erfahrungen aus London, Toronto und Deutschland wider und vereinen unterschiedliche Theatererfahrungen zu einem Schreiben von großer Dringlichkeit und Schärfe.

Der 1. Else-Lasker-Schüler-Stückepreis 2026, dotiert mit 5.000 Euro, geht an Fayer Koch für „Herz-Emoji, Bizeps“. Das ebenso komische wie erschütternde Stück erzählt die Geschichte von Max, einem jungen Mann zwischen feministischer Überzeugung und der Sehnsucht nach traditioneller Männlichkeit. In digitalen Männerforen sucht er Halt, doch Selbstoptimierung verwandelt sich schnell in Zwänge, Scham und innere Konflikte. Fayer Koch zeigt mit großer sprachlicher Präzision wie digitale Männerforen diese Unsicherheiten in toxische Erzählungen verwandeln. Die Muster von NoFap über IncelSubkulturen bis Red-Pill-Ideologien erscheinen als scheinbar einfache Antworten auf komplexe Verletzungen, die persönliche Krisen in politische Radikalisierungsräume verschieben und eine wachsende Gefahr für eine offene Gesellschaft darstellen.

Der 2. Stückepreis in Höhe von 3.000 Euro wird Lamin Leroy Gibba für „Doppeltreppe zum Wald“ verliehen. In seinem (Anti-)Konversationsstück begegnen sich neun schwarze Personen in einem geschützten Raum und sprechen über Alltagserfahrungen, Rassismus, Trauma und die Suche nach Gemeinschaft in der Gegenwart. Bei aller Tragweite der Themen vertiefen sich die neun in nichts. Ihr fortlaufendes Geplapper gleicht vielmehr einem Chat im analogen Raum. Autor, Schauspieler und Regisseur Lamin Leroy Gibba gelingt mit „Doppeltreppe zum Wald“ ein dichtes, mitreißendes (Anti- )Konversationsstück, dessen Figuren ihre Plastizität gerade aus der Knappheit ihrer Repliken gewinnen, aus dem, was bloß angerissen wird und dem, was ungesagt bleibt. Den 3. Stückepreis, dotiert mit 2.000 Euro, erhält Levi Roderich Kuhr für „FRITZ – Der Komödie erster Teil“. Das Stück ist ein kraftvoller Kommentar zur gesellschaftlichen Gegenwart, in ihrer Überforderung durch globale Krisen, Fragmentierung in digitaler Dauerpräsenz und ihrer existenziellen Erschöpfung. Im Zentrum steht ein junger Autor, der an sich, seiner Kunst und der Welt verzweifelt – und eine Gottfigur, die selbst mit ihrer Schöpfung hadert. Levi Roderich Kuhr gelingt es mit diesem Stück, die psychische und soziale Erschöpfung einer Generation zu artikulieren, die zwischen Sinnsuche und Systemkritik taumelt. Er trifft mit sprachlicher Brillanz und stream-of-consciousness-Stil den Nerv der Zeit und verwandelt das Stück in einen Spiegel gesellschaftlicher Befindlichkeiten.

Alle Preise werden im März 2026 im Rahmen der Eröffnung der „Theatertage Rheinland-Pfalz“ im Theater Koblenz verliehen.

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